Kommentar – Zeitumstellung abschaffen?

Im März eine Stunde weniger, im Oktober eine Stunde mehr. Jedes halbe Jahr sorgt die Zeitumstellung in Deutschland wieder für hitzige Debatten. Circa 2 Drittel aller Menschen in Deutschland sind gegen das ständige Drehen an der Uhr – aber warum eigentlich? Da lohnt es sich doch mal etwas Licht ins dunkel zu bringen und zu schauen, wie sinnvoll die Zeitumstellung wirklich ist.

Ein Kommentar von Paula Steltenkamp

 

Die Zeitumstellung abschaffen? Auf keinen Fall!

Ursprünglich wurde die Zeitumstellung erfunden, um Strom und Heizkosten zu sparen. Die eigentliche Zeit in der wir leben, ist nämlich die Winterzeit. Durch die Umstellung auf die Sommerzeit wird quasi morgens eine Stunde Licht weggenommen die abends wieder drangehangen wird. So wird das verfügbare Sonnenlicht optimal an unseren Tagesrhythmus angepasst und dafür gesorgt, dass es dann hell ist, wenn die meisten Leute wach sind. Licht braucht man, um das Glückshormon Serotonin zu produzieren – das merkt man spätestens im Winter, wenn das Licht fehlt und man am liebsten gar nicht aus dem Bett aufstehen will. Trotzdem beschweren sich dauernd Leute darüber, wie nervig es sei, sich und seine Uhren jedes halbe Jahr eine Stunde umstellen zu müssen.

Als großer Kritikpunkt an der Zeitumstellung wird oft genannt, dass die dauerhafte Sommerzeit, also eine Stunde mehr Licht am Abend, schlecht für die Gesundheit sei. Laut einem Artikel der Süddeutschen Zeitung leben nämlich besonders die Leute am gesündesten, die im Osten einer Zeitzone wohnen. Grund dafür soll sein, dass die Sonne früher aufgeht und man besser in den Tag starten kann.

So weit so gut, Warum dieses Argument aber für die dauerhafte Winterzeit, also unsere eigentliche Normalzeit, genutzt wird bleibt schleierhaft. Während der Sommerzeit geht die Sonne in Berlin beispielsweise eh nicht vor 7 Uhr morgens auf, am längsten Tag des Jahres sogar schon um 4:40. Eine dauerhafte Winterzeit würde dafür sorgen, dass es morgens noch eine Stunde früher hell wird – also dann um 3:40 und da braucht doch wirklich niemand Tageslicht. Dafür würde es dann abends schon um 9 Uhr dunkel werden! Ich weiß ja nicht wies euch geht, aber für mich gibt es nichts Besseres als einen langen Sommerabend, an dem man auch nach 8 Stunden Arbeit noch genug Zeit hat, etwas Sonnenlicht zu tanken. Morgens um halb 4 nützt das Licht doch eh niemandem, da will ich einfach schlafen – und bitte ohne Licht.

Und ja, ich finde es genau so anstrengend jedes Mal meine innere Uhr wieder anpassen zu müssen, aber nach zwei, drei Tagen hat man sich auch dran gewöhnt.  Der nervige Mini-Jetlag namens Zeitumstellung ist halt ein kurzzeitiges Übel für eine komplette Jahreszeit, in der wir dann mehr Licht genießen können. Und mal ehrlich – wie viele Leute fahren eigentlich jährlich in den Urlaub und nehmen viel mehr als nur eine Stunde Zeitverschiebung auf sich? Da spricht ja auch niemand über die negativen Auswirkungen.

Also – die dauerhafte Winterzeit ist nicht die perfekte Lösung, die dauerhafte Sommerzeit aber auch nicht. Ist es dann nicht logisch, dass Licht einfach an unsere Bedürfnisse anzupassen und für jede Jahreszeit das Maximum an Sonne rauszuholen? Anstatt immer wieder zu diskutieren, lasst uns doch einfach einmal im Jahr die Stunde Schlafentzug in Kauf nehmen und dafür jeden Tag das Sonnenlicht genießen. Und die eine Stunde kriegt man ja im Winter wieder zurück – das heißt wirklich verlieren tut man nichts.