Jannas Kolumne zum Sonntag #3: Let’s talk about Vögeln


Weiße Grafik mit einem schwarzen Herz und der Aufschrift "Let's talk about Vögeln" der Kolumne "Catch me random".
Generation Y & Z: Wie denken wir über die schönste Nebensache der Welt? | Foto: Janna Meyer

Let’s talk about Vögeln

Sex haben, sich vereinigen, vögeln, bumsen: Die Synonyme für den Geschlechtsakt sind unendlich. Während man sich in lang vergangen Tagen noch schöne Umschreibungen für den gemeinsamen Beischlaf ausdachte, um das Gegenüber damit zu bezirzen, gleicht die Umschreibung für Sex heute eher einem Vorschlaghammer.

Kein Wort scheint zu hart, keine Umschreibung zu prollig. Zig verschiedene Ausdrücke für das Eine. Aber lohnt sich der Aufwand und die Vielfalt überhaupt? Studien zeigen, dass gerade die „neuen“ Generationen weniger Sex haben im Vergleich zu den „älteren“, wie zum Beispiel den Baby-Boomern.

Tinder, Grindr und Bumble ermöglichen es den Generationen Y und Z überall und jederzeit Sex haben zu können. Dass aus der reinen Möglichkeit sich durch die Weltgeschichte vögeln zu können, nur selten etwas rumkommt, kennen wir alle. Man swiped sich die Finger wund ohne dabei seinen persönlichen Anspruch an das Gegenüber verlieren zu wollen, matched und sieht sich vor seinem inneren Auge hemmungslos übereinander herfallend. Dass es so weit gar nicht erst kommt, passiert häufiger als man denkt. Man schreibt und schreibt und plötzlich verlieren sich Gespräche im Nichts. Die Verärgerung wird zur Seite geschoben und das Glück auf den nächsten Coitus – hoffentlich nicht interruptus – ist nur einen Wisch entfernt.

Generation Y & Z: Sex um jeden Preis dank Apps und Co.?

Doch die Sexbesessenheit, die man uns als junge Generationen vorwirft, treffen heute in der Form gar nicht mehr zu. Junge Leute sind heute vorsichtiger und bewusster in ihren Entscheidungen mit wem und wie sie Sex haben wollen. Dazu haben Aufklärungsunterricht und der generell offenere Umgang mit dem Thema gesorgt. Während man als Alt-68er Generation noch kommunenartig alles miteinander teilte, steht heute die sorgfältige Auswahl des richtigen Partners im Vordergrund.

Ein Phänomen, das so ziemlich jeder von uns schon einmal erlebt hat. Egal, auf welcher Plattform man unterwegs ist, das selektive Verhalten ist immer präsent. Vorbei sind die Zeiten, in denen man uns „jungen Wilden“ unterstellte, wir würden alles vögeln, was bei drei nicht auf dem Baum wäre. Denn klar, schneller Sex, ist das wonach auf den meisten Plattformen gesucht wird, aber bitte mit Anspruch. Nur, weil der gemeinsame Beischlaf im Fokus steht, heißt das nicht, dass dafür nicht ausreichend in der Masse der Angebote gefiltert wird. Sex ja, aber nicht um jeden Preis.

Um so ironischer scheint es, dass „die Jungen“ heute eine große Varietät an Synonymen für Sex an den Tag legen, während sie doch insgesamt weniger Sex haben. Vielleicht ist die permanente Anwesenheit sexueller Inhalte ein Faktor dafür. Wir sind ja schließlich nicht ohne Grund die „Generation Porno“. Musste man in vergangenen Tagen noch die Vorstellungskraft aktivieren, gibt es heute alles Erdenkliche was mit Sex zu tun hat per anonymem Knopfdruck.

Möglicherweise führt gerade dieses Überangebot zur Sex-Rezession. Wundern würde es mich nicht. Entsteht doch gerade dadurch der Druck innerhalb der eigenen Generation alles können, alles leisten und alle Wünsche bedienen zu müssen. Ein Gefühl, dass unfair erscheint, wenn man bedenkt, dass vor allem im Genre der Erwachsenenfilme viel gefaked wird.

Was also tun? Gerade in aktuellen Zeiten liegt der Fokus auf Selbstliebe und Selbstakzeptanz. Warum nicht also auch im Schlafzimmer?

Janna bringt euch an zwei Sonntagen im Monat mit ihrer neuen Kolumne zum Lachen. Natürlich brandaktuell immer auf couchFM!


Autorin:

Janna