Gästezimmer mit Bianca Jankovska

Bianca Jankovska hat viele Meinungen. Mit Janne von couchFM hat sie darüber geredet. | © couchFM

Millennials haben ja häufig ein schlechtes Image: Egoistisch, unpolitisch, empfindlich, faul, und dann war da ja noch die Sache mit dem Avocadotoast. Weil wir aber in Wirklichkeit weder so schlimm sind, noch das Leben im Spätkapitalismus so einfach ist, wie gerne behauptet wird, hat die Journalistin und Autorin Bianca Jankovska ein Buch darüber geschrieben: Das Millennial Manifest. Mit couchFM spricht sie über die Mythen, mit denen wir aufgewachsen sind, Lohnarbeit und “A Star is Born”

Auf dem Bildschirm blinkt der Countdown, 30 Sekunden, 29, gleich geht’s weiter. Bevor der Song zu Eende ist, erkläre ich Bianca noch schnell, was als nächstes kommt: “Ich nenne dir Begriffe aus der Popkultur und du sagst, ob sie over- oder underrated sind.” Ich blicke auf die Liste, 18 Items habe ich aufgeschrieben, und habe plötzlich Zweifel. “Du musst auch nicht zu allem eine Meinung haben,” beruhige ich sie oder mich. “Keine Sorge,” antwortet Bianca, “ich hab zu allem eine Meinung.” Sie lacht. “Gehört zum Job.”

“Meinungen haben” scheint erst mal eine merkwürdige Berufsbeschreibung. Wenn man darüber nachdenkt, was Autor*innen, Aktivist*innen oder Kommentator*innen machen, leuchtet es aber doch ein, und Bianca Jankovska ist all das. Und weil sie ihren Job gut machen möchte, ist sie vorbereitet. Apropos Job: Um dieses Konstrukt, mit dem wir laut Statistik* rund 16% und gefühlt mindestens doppelt so viel unserer Lebenszeit verbringen, dreht sich ein großer Teil Jankovskas gerade erschienenen Buches, “Das Millennial Manifest”. In Kapiteln mit Überschriften, die wie für das Drauf-Klicken gemacht sind (“WhatsApp-Gruppen sind die Dickpics der Unternehmenskommunikation”), arbeitet sich die Autorin an den aktuellen Debatten ab: Es geht um leidenschaftslose Büroarbeit, die 40-Stunden-Woche, das Arbeit-gut-machen-wollen und die Selbstausbeutung und darum, wie die Leidenschaft verkümmert, wenn man Arbeit daraus macht. So schließt sich der Kreis.

Weil wir ein studentisches Radio sind und den Eintritt in die Vollzeit-Arbeitswelt stets unausweichlich vor uns herschieben und Millennials bekanntlich nichts mehr interessiert als sie selber haben wir Bianca zu uns ins Gästezimmer eingeladen und eine Stunde lang über die Liebe, die Lohnarbeit und das Leben im 21. Jahrhundert gesprochen und Meinungen ausgetauscht. Nachzuhören gibt es das Ganze hier:


*Wobei hier die gesamte Lebenszeit gemeint ist, bei der nochmal über ein Drittel fürs Schlafen draufgehen. //blog.zeit.de/teilchen/2017/05/11/arbeit-ist-nicht-mal-das-viertelleben/


Autorin:

Janne Knödler

Janne