Israels grüner Impfpass

Die Spannung zwischen Gleichheit und Freiheit

In Deutschland gibt es eine immer größer werdende Debatte, um die Einführung eines Impfpasses. In Israel wurde ein Impfpass vor zwei Monaten eingeführt. Was sind die Vorteile eines solchen Passes und inwiefern könnte dieser die Gesellschaft spalten?

 


CouchFM Logo der Sendungsreihe "Gesprächsstoff". Ikonischer Fernsehturm vor Skyline in Mint und Grau.

GESPRÄCHSTOFF

 

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Israel atmet langsam auf. Im Vergleich zu Deutschland ist die Impfkampagne sehr weit fortgeschritten. Durch die Einführung des grünen Pass werden seit zwei Monaten die Corona Einschränkungen schrittweise aufgelöst. Mehr als 5 Millionen der Israelies können die Sonderrechte nach der zweiten Impfung genießen. So können Geimpfte beim Einlass in Fitnessstudios, Theateraufführungen, Restaurants oder Hotels ihr Smartphone mit dem Barcode vorzeigen. Mit dem Impfpass sollen besonders die jüngeren Israelies motiviert werden sich impfen zu lassen.

Den obwohl viele Menschen sich impfen lassen wollen, gerät die Impfkampagne langsam ins Stocken. Gleichzeitig wird kritisiert, dass Einzelne durch den grünen Pass unter Druck geraten sich zu impfen, um nicht zurückgelassen zu werden. Andererseits profitieren aber nicht nur die bereits Geimpften von den Lockerungen. Aufgrund der hohen Zahl an Geimpften können auch Nicht-Geimpfte wieder Einkaufszentren und z.B. Bibliotheken besuchen. Außerdem würden viele Restaurants und Cafés, die einen Außenbereich haben, auch den Nicht-Geimpften ermöglichen draußen Platz zu nehmen. Obgleich natürlich in diesen Fällen weiterhin die allgemeinen Hygieneregeln gelten.

“Der grüne Pass hat das Land verändert.”

Foto vom grünen Impfpass auf dem Handy

Im Allgemeinen scheint der grüne Pass von der israelischen Bevölkerung positiv aufgenommen zu werden. Die Rückkehr in das alte Leben würde große Aufregung und Freude verbreiten. Eine größere Zahl würde den Impfpass als gut empfinden, weniger Menschen wären dagegen. Der grüne Pass hätte das Land verändert. Besonders im direkten Vergleich zwischen der jetzigen Situation und der während den Anfängen der Pandemie, wird sichtbar, dass ein großer Teil der Bevölkerung wieder in Freiheit leben kann.

Gleichzeitig, bedeutet das natürlich auch, dass sich Nicht-Geimpfte ein Stück weit benachteiligt fühlen könnten. Immer wieder wird gesagt, dass der Druck, sich impfen zu lassen, enorm wäre und sogar die Gesellschaft spalten würde. Dieser Vorwurf wäre teilweise übertrieben, weil die Lage dafür nicht angespannt genug wäre. Außerdem hat jede:r Einzelne letztendlich individuell die freie Wahl, sich impfen zu lassen oder nicht. Selbst die Corona-Einschränkungen wären weniger schwerwiegend, als noch vor einigen Monaten.

Die ethischen Fragen rund um den Impfpass konzentrieren sich auf die Spannungen, die uns seit Beginn der Pandemie begleiten und für die wir keine gute Lösung finden – nämlich zwischen Gleichheit und Freiheit einerseits und Überlegungen zur öffentlichen Gesundheit und Effizienz andererseits. Beide haben ein erhebliches Gewicht.


Weiterführende Links

Mehr zu den Lockerungen für Menschen mit grünem Pass kannst du hier und hier nachlesen. Zur Debatte, ob der Pass “gut” oder “schlecht” ist, gibt es hier mehr Stimmen.


Autorin:

couchFM Mitglied Friedericke Bahners

Friedericke