Politikprojekt: Die Geschichten der größten deutschen Parteien

 

Die deutsche Parteienlandschaft ist groß und zuweilen unübersichtlich. In über 150 Jahren bewegter Parteiengeschichte ist so einiges passiert – vom Kaiserreich über die Gleichschaltung zur NS-Zeit bis hin zum wiedervereinigten Deutschland, wie wir es heute kennen. In der ersten Sendung unseres couchFM Politikprojekts zum Superwahljahr 2021 stellen wir euch die Entstehungsgeschichten der größten deutschen Parteien vor.

 


Parteilogo der SPD

 

Die SPD ist die älteste noch existierende Partei Deutschlands. In ihrer nicht immer einfachen 150-jährigen Parteigeschichte hat sie bereits vier deutsche Staaten mitgestaltet. Vor der Ära Merkel stellte sie unseren Bundeskanzler: Gerhard Schröder. In den letzten Jahren ist für die ehemalige Volkspartei schließlich eine schwierige Zeit angebrochen. Zwei Legislaturperioden als Juniorpartner in der Großen Koalition drückten die Umfragewerte der SPD zuletzt auf nur 15%. Bei der vorletzten Bundestagswahl 2013 waren es immerhin noch 26%. Für die kommende Bundestagswahl schickt die SPD Vizekanzler Olaf Scholz als Spitzenkandidat ins Rennen.

 

 

von Kristina


 

Parteilogo der CDU/CSU

 

Von den 71 Jahren seit bestehen der Bundesrepublik Deutschland hat die Christlich Demokratische Union 51 Jahre lang den Kanzler beziehungsweise die Kanzlerin gestellt. Die vielleicht Prägendsten Figuren dieser Zeit waren Konrad Adenauer (1949-1963) und Helmut Kohl (1982-1998), aber auch Angela Merkel (seit 2005), mit der die CDU die erste Frau im Kanzleramt stellte. In ihrer 16-jährigen Amtszeit musste Merkel einige Krisen bewältigen und wurde insbesondere 2015 zur Schlüsselfigur in der Migrationskrise.

 

Aber warum gibt es eigentlich die CSU? Diese gründete Sich nach dem zweiten Weltkrieg und als eigene Partei und schloss sich 1949 schließlich mit der CDU zur Unionsfraktion zusammen. Dennoch handelt es sich auch heute noch um zwei verschiedene Parteien. Zuletzt sanken die Umfragewerte der Unionsparteien in der Corona-Pandemie. Doch in der Vergangenheit sind die Christdemokraten aus Krisen oft gestärkt hervor gegangen. Ob sie das auch bei der diesjährigen Bundestagswahl schaffen, wird sich im September zeigen.

 

 

von Tobi & Frieda


 

Parteilogo der FDP

 

Die Geschichte der FDP ähnelt einer Achterbahnfahrt. Kurz nach dem zweiten Weltkrieg gegründet, holte die Partei 10% bei der ersten Bundestagswahl und wurde als Koalitionspartner der CDU/CSU direkt Teil der ersten deutschen Bundesregierung. Diese Partnerschaft setzte sich über Jahrzehnte hinweg fort. Mehrmals in ihrer Parteigeschichte standen die freien Demokraten so an der Spitze der deutschen Parteienlandschaft. Doch dann wiederum scheiterten sie sogar an der Fünf-Prozent-Hürde, wodurch sie 2013 nicht einmal den Einzug in den Bundestag schafften.

 

Dennoch hält sich die FDP. Heute ist sie die einzige der kleinen nach dem Krieg gegründeten Parteien, die noch existiert und nicht von CDU oder SPD absorbiert wurde. Zuletzt hat sich die FDP kritisch gegenüber den Corona-Maßnahmen der Bundesregierung gezeigt und könnte so eine Alternative für die Menschen sein, die sich eine lockere Politik in der Pandemie wünschen.

 

 

von Maira


Parteilogo von Bündnis 90/Die Grünen

Die Grünen haben sich innerhalb kürzester Zeit von einer Protestbewegung zu einer der einflussreichsten politischen Kräfte Deutschlands entwickelt. Die letzten 16 Jahre lang waren sie in der Opposition. Doch die einstige kleine Protestpartei sind sie lange nicht mehr. Durch das allmähliche Erodieren der alten Volksparteien und die tausenden von jungen Menschen, die jeden Freitag für eine bessere Klimapolitik auf die Straße gehen, hat sich für die Grünen einiges grundsätzlich geändert. Sie erleben ein historisches Umfragehoch und stellen mit Annalena Baerbock 2021 erstmalig eine eigene Kanzlerkandidatin. Das einstige Motto der Grünen scheint sich also umgekehrt zu haben, jetzt heißt es: Alle reden übers Klima, wir übers Regieren.

 

von Nika U


Parteilogo der Linken

Die Linkspartei hat eine sehr bewegte Geschichte, die ihr heute immer noch vorgeworfen wird. Oft wird sie als sozialistische Sammlungspartei beschrieben, in der sowohl demokratische, als auch extremistische Kräfte wirken – und das obwohl die Partei durchaus als progressiv gilt. So wird zum Beispiel Geschlechtergerechtigkeit sehr ernst genommen und eine solidarische Migrationspolitik gefordert.

Den Vorwürfen der Verbindung zu links-extremistischen Organisationen kann sich die Linke dennoch nicht ganz entziehen. Spitzenkandidatin Janine Wissler beispielsweise ist im informellen Netzwerk marx21 engagiert, das vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Das beeinflusst auch die Umfragewerte der Linken, die in Berlin im vergleich zur letzten Wahl gesunken sind (in Berlin von 15,6% auf 13,0% und von 9.2% auf 6,9% auf Bundesebene).

 

von Noé


Parteilogo der AfD

2013 gegründet ist die AfD die mit Abstand jüngste Partei im deutschen Bundestag. Als eurokritische und eher wirtschaftsliberale Konservative Partei gegründet, entwickelte sich die AfD schnell in eine rechtspopulistische Richtung und konnte sich so am rechten Rand des Parteiensystems etablieren. Die Migrationskrise im Jahr 2015, in der die AfD sich als radikale Gegenbewegung zur Öffnungspolitik der Bundesregierung positionierte, gilt dabei als entscheidender Erfolgsfaktor. Aufgrund ihrer nähe zum rechtsextremistischen Milieu wird die Partei mittlerweile bundesweit vom Verfassungsschutz beobachtet.

Seit letzter Woche ist nun klar, dass die AfD mit Alice Weidel und Tino Chrupalla als Doppelspitze in den Bundestagswahlkampf zieht. Die Mitglieder haben sich damit erneut gegen den wirtschaftsliberalen Kurs und für die völkisch-nationale Strömung ihrer Partei entschieden. 

 

von Sam


Autor:innen:

couchFM Mitglied José-Luis Amsler

José

couchFM Mitglied Sophia Hörhold

Sophia


CvDs:

Erwin & Vincent T.-S.

Parteilogos: Wikimedia Commons.